August 15, 2019

Unterwegs hatte ich starke Schmerzen. Mathias war zwar die ganze Zeit bei mir, aber ich erinnere mich nicht mehr an das, was er gesagt oder getan hat. Denn ich war mehr bei mir selbst als bei allen anderen.

Die Hebamme aus den Geburtshaus, die mich während meiner ganzen Schwangerschaft begleitete, musste sich leider verabschieden. Die neue, für mich zuständige Hebamme aus dem Krankenhaus begrüßte ich unter Tränen. Das Erste, was ich fragte, war: “Muss ich jetzt einen Kaiserschnitt machen?” Das wurde jedoch verneint. Jeder versuchte mich zu beruhigen. Irgendwann zeigten die besänftigenden Worte ihre Wirkung und ich wurde ruhiger.

Der Arzt kam zur Kontrolle des Muttermunds. Immer noch 6cm. Dann stellte er die Diagnose: Sterngucker.Ich wusste nicht einmal, was das bedeutet, und ich hatte zum Zeitpunkt der Geburt noch nie von dieser möglichen Komplikation gehört.

Ich bekam eine PDA. Den Schmerz der Injektion spürte ich dabei überhaupt nicht. Dann sollte ich mich in den Vierfüßlerstand begeben. So sollte die Möglichkeit geschaffen werden, das Baby wieder hineinzuschieben und so in die richtige Position zu drehen. Die PDA zeigte eine fast sofortige Wirkung und der Schmerz ließ endlich nach. Plötzlich war ich das erste Mal extrem müde und hungrig.

Jetzt hatte ich kurz Zeit mich im Vierfüßlerstand auszuruhen. In diesem Moment fühlte ich mich glücklich und erleichtert. Ich weiß nicht, wie lange es wirklich gedauert hat. Gefühlt in etwa eine Stunde. Dann kam eine Krankenschwester herein und wollte, dass wir die Geburt weiter fortführen. Draußen war es noch dunkel.

Ich bekam Oxytocin verabreicht und fühlte mich bereit.

Das war anders als ich es erwartete habe: "Das wehenfördernde Hormon Oxytocin wird oft mit einer schmerzsteigernden Wirkung in Verbindung gebracht. Die Schmerzen während der Wehen können sich nach der Medikamentengabe also verstärken. Persönlich kann ich meine Schmerzen in dieser Situation nicht gut einordnen. Mathias meinte jedoch, dass sich die Schmerzensschreie mit dem Oxytocin intensivierten."

Ich verbrachte die ganze Zeit nur auf dem Bett und war mit dem CTG verbunden. In dieser Phase der Geburt war ich mir nicht mehr sicher, was um mich herum passierte. Die Schicht des Personals, das mich zu Beginn im Krankenhaus begrüßte, war zu Ende und ein paar Menschen verabschiedeten sich von mir. 

Ein ganzer Tag war vergangen, an dem ich vergeblich versuchte Leo auf die Welt zu bringen. Der Muttermund war mittlerweile 7,5cm geöffnet. Doch die Position meines Babys war unverändert. Nun sollte ich einen Kaiserschnitt machen.

Die Entscheidung viel mir extrem schwer, da ich mir immer eine natürliche Geburt gewünscht hatte. Akzeptieren konnte ich den Kaiserschnitt erst, als Mathias mich ansah und zu mir sagte: “Komm Baby, du hast schon so lange durchgehalten. Mach das.” Er half mir “aufzugeben”. Dann begannen die Vorbereitungen für den Eingriff. Neue PDA, Kleidung wechseln, hinlegen und ein neues Zimmer. Mathias begleitete mich. Als die PDA ihre Wirkung zeigte, verstand ich wieder alles, was passierte. 100% Aufmerksamkeit. Ich konnte wieder reden...

 

Alles Liebe,

Deine Julia


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