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mütterlich -  25 Juni  2021

Veggie in anderen Umständen 

Teil 1

"D as grenzt an Kindeswohlgefährdung“, „aber doch wenigstens hin und wieder mal einen Bissen von was Richtigem, ein bisschen Fleisch“, „was du mit deiner Gesundheit machst, bleibt dir überlassen, aber denk doch bitte mal ans Kind“ ... – und sie könnte schier endlos fortgeführt werden, die Liste an Vorwürfen, mit denen sich jede vegane Mama früher oder später einmal konfrontiert sieht.

Zweifelsohne, viele Tipps sind gut gemeint und manche Sorgen sollten ernst genommen werden. Und ja, es geht um die Gesundheit eines schutzbedürftigen Wesens, das die Entscheidung, womit es im Mutterleib und außerhalb versorgt wird, vorerst nicht allein treffen kann. Eine Entscheidung, die in vielerlei Hinsicht weise und verantwortungsvoll getroffen werden sollte!

Doch so leicht fällt es uns Müttern gar nicht, im Wirrwarr der mehr oder weniger gesicherten Expertenmeinungen und Ernährungsratgeber noch den Überblick zu behalten - und sich vor allem eine fundierte Meinung bilden und sich zur bestmöglichen Nährstoffversorgung informieren zu können.

Wir von mütterlich wollen etwas Licht ins Dunkel bringen, kritische Aspekte der veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit beleuchten und im besten Fall, Verunsicherungen minimieren.

Was sagt denn die Wissenschaft?

Eine vegane Ernährung in anderen Umständen ist mit ausreichendem Wissen und einer bewussten Nährstoffzufuhr zweifelsohne möglich.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in dem 2016 publizierten Positionspapier die vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, räumt aber ebenso ein, dass mit einer Ergänzung potenziell kritischer Nährstoffe, der Beratung durch eine qualifizierte Fachkraft (Ärzte sind keine Ernährungsexperten! Gemeint sind Ernährungsberater, am besten mit entsprechender Spezialisierung) und einer ärztlichen Überprüfung des Nährstoffstatus eine vegane Ernährung in anderen Umständen möglich ist.

Auch weitere wissenschaftliche Institutionen wie die Academy of Nutrition and Dietetics, der National Health and Medical Research Council (Australien), das National Programme for the Promotion of a Healthy Diet (Portugal) oder die British Nutrition Foundation halten eine vegane Ernährung in dieser Zeit bei guter Planung und unter Beachtung des besonderen Nährstoffbedarfs für unbedenklich.

Im September 2020 wurde das Positionspapier der DGE erweitert und Studien einbezogen, die konkrete Ergebnisse zum Nährstoffstatus von sich vegan, vegetarisch und omnivor (Mischköstler) ernährenden Personen, insbesondere Müttern, lieferten.

Darin zeigte sich, dass es zwischen den Gruppen kaum signifikante Unterschiede gibt, was den B12- oder Omega-3-Gehalt der Muttermilch oder die ausreichende Energiezufuhr bei Kindern dieser drei Gruppen betrifft.

Vegan ernährte Kinder nehmen außerdem häufiger Lebensmittel mit einem höheren Ballaststoffgehalt und weniger Zucker zu sich – ein Aspekt, der ernährungsphysiologisch positiv zu bewerten ist, aber auch für ein größeres Ernährungsbewusstsein seitens der veganen Eltern spricht.
Auch der BMI, der bei den veganen Müttern am niedrigsten, bei den omnivoren am höchsten war, ist ein Indiz hierfür.

Mischköstlerinnen sind es auch, die über den kürzesten Zeitraum stillen (im Schnitt 27 Wochen), die Vegetarierinnen am längsten (durchschnittlich 54 Wochen).

Nicht zu missachten sind schließlich auch die Ergebnisse, die negative Auswirkungen einer Mischkost nahelegen: ein hoher Anteil an gesättigten und trans-Fettsäuren in der Muttermilch, eine hohe Zufuhr an Gesamtprotein, Gesamtfett und zugesetztem Zucker bei den Kindern.

Vegane Schwangerschaft ≠ gesunde Schwangerschaft

So sehr die Ergebnisse der Studien (ein paar mehr folgen gleich...) bereits für sich sprechen, wird dennoch auch aus wissenschaftlicher Perspektive hier ein ganz wesentlicher Aspekt nicht berücksichtigt:

Nur ob eine Person tierische Produkte zu sich nimmt oder nicht, sagt noch nichts über ihre Gesundheit, ihren grundsätzlichen Nährstoffstatus aus oder darüber, wie Nährstoffe im Körper verfügbar sind.

Nicht zuletzt wurde auch in den Studien in vielen Fällen nur eine Momentaufnahme des Nährstoffstatus der beteiligten Personen gezeichnet, der sich bereits nach einer Woche abweichender Diät, in Krankheitsphasen usw. ändern kann.

Auch wenn die Wissenschaft deutliche Belege dafür liefert, dass eine überwiegend pflanzliche Kost enorm positiven Einfluss auf unsere Stoffwechselvorgänge hat und eine ausgezeichnete Vorbeugung gegen entsprechende Krankheiten darstellt, sollten wir uns bewusst machen, dass vegan nicht gleichbedeutend mit gesund ist.

Eine Schwangere, die sich überwiegend von Pizza mit veganem Käse, von viel Brot mit Aufschnitt und Aufstrichen „in vegan“ und sonstigen Fertigprodukten ernährt, tut sich und ihrem Kind tatsächlich keinen Gefallen und büßt eher Nährstoffe ein.

Warum? Weil diese gebraucht werden, um die darin enthaltenen Zusatzstoffe, den Salz- und Zuckerüberschuss zu verstoffwechseln, zu binden und aus dem Körper auszuscheiden.

Wirklich wertvoll ist eine vegane und vegetarische Ernährung nur, wenn sie tatsächlich „vollwertig“ ist, das heißt, eine große Menge frischer, roher Lebensmittel umfasst: viel saisonales und regionales Gemüse (v.a. viel Blattgrün) und Obst, das weitestgehend unbehandelt ist, Nüsse und Samen, Sprossen und fermentierte Lebensmittel (Sauerkraut, Kimchi). Zum Aufbau eines gesunden Darmmilieus und zur Aufrechterhaltung eines gesunden Säure-Basen-Gleichgewichts ist zudem eine glutenarme, zuckerfreie, salzarme Kost und der Verzicht auf kohlensäurehaltige Getränke wichtig.

Frauen, die sich ausgewogen vegan oder vegetarisch mit einem geringen oder einem Null-Anteil an tierischen Eiweißen ernähren und einen großen Anteil an Rohkost in ihre täglichen Mahlzeiten integrieren, profitieren darüber hinaus gegenüber Mischköstlerinnen und denjenigen, die sich viel von Fertigprodukten ernähren, von einer viel besseren Versorgung mit den Vitaminen C, E, Thiamin und Folat und den Mineralstoffen Magnesium und Kalium, sowie mit Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen. Sie nehmen weniger gesättigte Fettsäuren, Cholesterol und weniger Purine (Bausteine von Nukleinsäuren, sie tragen fremde Erbinformationen, sorgen für einen erhöhten Harnsäurespiegel) zu sich.

Grundsätzlich verspricht eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit einem umfangreichen Rohkostanteil eine enorm hohe Nährstoffdichte bei gleichzeitig niedriger Energiedichte (viele Nährstoffe – wenige Kalorien).

Da die Kritik an sich vegan ernährenden Müttern jedoch meist diese brisante Nährstoffversorgung im Blick hat, schauen wir uns im nächsten Blog einmal genauer an, wie wir uns ausreichend damit versorgen können. Bis dahin, kommt gesund durch die Woche!

Und, wenn du Lust hast: Mich interessiert sehr, welche Erfahrungen du als Veggie-Mama gemacht hast: Hast du gute Tipps für den Umgang mit Vorwürfen? Fühlst du dich manchmal verunsichert? Schreib mir gern in den Kommentaren!

(1)  Pawlak et al. (2018): Vitamin B-12 content in breast milk of vegan, vegetarian, and nonvegetarian lactating women in the United States. Am J Clin Nutr. 108: 525-531.Perrin M. T. et al. (2019): A cross-sectional study of fatty acids and brain-derived neurotrophic factor (BDNF) in human milk from lactating women following vegan, vegetarian and omnivore diets. Eur J Nutr. 6: 2401-2410.Weder, S. et al. (2019): Energy, macronutrient intake, and anthropometrics of vegetarian, vegan, and omnivorous children (1-3 years) in Germany (VeChi Diet Study). Nutrients. 11: 832.Schüppbach, R. u.a. (2015): Micronutrient status and intake in omnivores, vegetarians and vegans in Switzerland. European Journal of Nutrition.