August 13, 2019

Alles war so, wie man sich eine “perfekte” Schwangerschaft ausmalen würde. Kaum Übelkeit und keine Schwierigkeiten ausreichend und gesund zu essen. Die Müdigkeit, die ich in den ersten drei Monaten verspürte, verflog so schnell wie sie anfangs gekommen war. Ich habe nicht viel zugenommen und hatte einen süßen, kleinen, runden Bauch. Bis zum letzten Monat konnte ich ohne Probleme Sport treiben und arbeiten. Ich fühlte mich zu 100% ausgeglichen und gut auf die anstehende Geburt vorbereitet. Gerade weil meine Schwangerschaft so gut verlief, machte ich mir kaum Gedanken darüber, dass die Geburt schwierig werden könnte. Denn ich war mir sicher: Mein Baby würde ohne Komplikationen geboren werden.

Am Ende kam jedoch doch alles ganz anders als erwartet. Mit einer Bilderbuchgeburt á la Instagram hatte meine Entbindung wenig zu tun. Ich fühlte mich danach nicht wie die wunderbare, starke Frau, die zu allem fähig war, und ich fühlte mich nicht von Beginn an wie die beste Mutter für mein Baby.

Einige Dinge gingen schief - ich kann nicht einmal sagen wann oder was genau. Aber ich verspreche Dir, das Erste, was ich gesagt habe als es vorbei war, war: Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich.

 

Am 26.03.2018 wachte ich um 7:30 Uhr morgens auf und spürte leichte Bauchkrämpfe. Die Schmerzen verschwanden erstmal nicht, also stand ich auf und frühstückte. Mein Freund Mathias ging kurz darauf zur Arbeit. Eine Stunde später rief ich dann doch meine Hebamme an, um mich sicherer zu fühlen und sie im Fall der Fälle vorzuwarnen, sollten die Schmerzen weiterhin nicht aufhören. Sie deutete meine Schmerzen als erste Wehen und beruhigte mich: Die Geburt würde wohl vor dem Abend nicht beginnen.

Ab 9:30 Uhr wurden meine Bauchkrämpfe dann immer stärker. Also beschloss ich Mathias anzurufen um ihn zu bitten, nach Hause zu kommen. Ich nahm ein Bad, setzte mich danach auf meinen Pilates Ball und ging im Zimmer langsam auf und ab. Plötzlich wurde mir übel. Doch das Unwohlsein konnte ich durch eine kurze Dusche lindern.

Das war anders als ich es erwartete habe: "Ich dachte, wenn der Tag der Geburt kam, würde ich mir sicher sein, dass es soweit ist. Bis 11 Uhr glaubte ein Teil von mir jedoch immer noch, dass es sich vielleicht nur um ein Geburtstraining handelte."

Gegen 13:30 Uhr kam Mathias an und wir machten uns auf den Weg zum Geburtshaus. Die kurze Fahrt dorthin war unangenehm, aber ich war immer noch gut gelaunt und fand es amüsant, keine Sitzposition zu finden. Denn Sitzen fühlte sich zu dem Zeitpunkt einfach so seltsam und falsch an.

Angekommen im Geburtshaus stellte meine Hebamme fest, dass mein Muttermund schon 4cm weit geöffnet war. Also legte ich mich in die Badewanne und versuchte noch einmal Kraft für die nächsten Stunden zu tanken. Diese war warm, bequem und linderte die Schmerzen.Um die Wehen nicht komplett abzuschwächen, sollte ich laut meiner Hebamme kurz darauf aus der Wanne steigen - von da an habe ich mein Zeitgefühl komplett verloren.In meinem Zimmer im Geburtshaus probierte ich anschließend alle möglichen Aktivitäten im Wechsel aus: Ball, Seil, Hocker, Dusche, Ball, Seil, Hocker, … Bis meine Fruchtblase gegen 16:30 Uhr platzte. Das bemerkte ich jedoch erst, als ich die grüne Flüssigkeit sah.

Aufgeregt fragte ich meine Hebamme um Rat, ob denn alles in Ordnung ist. Diese versuchte mich zu beruhigen und meinte, dass die Verfärbung auf eine unbedenkliche Stressreaktion des Körpers zurückzuführen sei. Trotzdem blieb das ungute Gefühl in meinem Bauch.Zwischen 15 und 18 Uhr hatte ich das Gefühl, weder sprechen noch klar denken zu können. Alles, was ich aus dieser Phase noch weiß ist, dass es draußen langsam dunkel wurde. Bis zu diesem Moment hatte sich mein Muttermund nicht mehr als 4,5cm geöffnet.

Obwohl ich den ganzen Tag in Wehen verbracht hatte, hatte ich das Gefühl, dass alles bisher nur in wenigen Stunden passiert war. Ich war weder müde noch hungrig oder durstig. Ich fühlte mich nicht nervös. Aber ich erkannte, dass die beiden Hebammen im Raum anfingen, nervös zu werden...

 

Alles Liebe,

Deine Julia


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