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Vegane Schwangerschaft - gesund oder gefährlich?
Das sagen Studien 

Vorwürfe, Unsicherheiten und viele große Fragezeichen - damit starten die meisten veganen Frauen in die Schwangerschaft.
Ist eine vegane Schwangerschaft gesund oder gefährlich?
Wir haben uns angesehen, was Studien sagen und dir Fakten, Praxistipps und Argumente zusammengetragen, die dir dabei helfen, dich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Lesezeit: 3 minuten 

Das grenzt an Kindeswohlgefährdung“, „aber doch wenigstens hin und wieder mal einen Bissen von was Richtigem, ein bisschen Fleisch“, „was du mit deiner Gesundheit machst, bleibt dir überlassen, aber denk doch bitte mal ans Kind“ ... – und sie könnte schier endlos fortgeführt werden, die Liste an Vorwürfen, mit denen sich jede vegane Mama früher oder später einmal konfrontiert sieht.

Zweifelsohne, viele Tipps sind gut gemeint und manche Sorgen sollten ernst genommen werden. Und ja, es geht um die Gesundheit eines schutzbedürftigen Wesens, das die Entscheidung, womit es im Mutterleib und außerhalb versorgt wird, vorerst nicht allein treffen kann. Eine Entscheidung, die in vielerlei Hinsicht weise und verantwortungsvoll getroffen werden sollte!

Doch - und das ist der Knackpunkt - so leicht fällt es veganen Müttern gar nicht, im Wirrwarr der mehr oder weniger gesicherten Expertenmeinungen und Ernährungsratgeber noch den Überblick zu behalten.  

Wir von mütterlich wollen etwas Licht ins Dunkel bringen, kritische Aspekte der veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit beleuchten und im besten Fall Verunsicherungen minimieren. Was sagen Studien und Fachgesellschaften? Ist eine vegane Schwangerschaft gesund oder eher schädlich? Worauf müssen vegane Mütter achten, um ihr Kind und sich nicht zu gefährden?

Das sagen Studien & Fachgesellschaften

(!) Eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit ist mit ausreichendem Wissen und einer bewussten Nährstoffzufuhr zweifelsohne möglich.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in dem 2016 publizierten Positionspapier die vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, räumt aber ebenso ein, dass mit einer Ergänzung potenziell kritischer Nährstoffe, der
Beratung durch eine qualifizierte Fachkraft (Ärzte sind keine Ernährungsexperten! Gemeint sind Ernährungsberater, am besten mit entsprechender Spezialisierung) und einer ärztlichen Überprüfung des Nährstoffstatus eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit möglich ist.

Auch weitere wissenschaftliche Institutionen wie die Academy of Nutrition and Dietetics, der National Health and Medical Research Council (Australien), das National Programme for the Promotion of a Healthy Diet (Portugal) oder die British Nutrition Foundation halten eine vegane Ernährung in dieser Zeit bei guter Planung und unter Beachtung des besonderen Nährstoffbedarfs für unbedenklich.

Einen kleinen Auszug aus den Positionen verschiedener Fachgesellschaften findest du hier:

Europa (ESPGHAN) 

Icon grüner Kreis mit Positiv-Häkchen vegane Schwangerschaft mütterlich

"Eine vegane Ernährung mit angemessener Supplementation kann ein normales Wachstum sowie eine normale Entwicklung unterstützen."

USA (A.N.D.)

Icon grüner Kreis mit Positiv-Häkchen vegane Schwangerschaft mütterlich

"Gut geplante vegetarische, einschließlich vegane, Ernährungsweisen sind gesundheitsfördernd und ernährungsphysiologisch angemessen. [...] Rein pflanzliche Ernährungsweisen sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglings-alter, Kindheit, Jugendzeit, älteres Erwachsenenalter und für SportlerInnen."

Italien (SINU & SSNV)

Icon grüner Kreis mit Positiv-Häkchen vegane Schwangerschaft mütterlich

"Eine gut geplante vegetarische Ernährung, die eine breite Palette pflanzlicher Lebensmittel und eine zuverlässige Quelle für Vitamin B12 umfasst, sorgt für eine angemessene Nährstoffzufuhr."

"Eine gut geplante vegane Ernährung kann den Nährstoffbedarf decken und eine geeignete Wahl in allen Lebensabschnitten, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter und Kindheit, sein."

Frankreich (GFHGNP)

Icon Kreis mit warnender Hand darin vegane Schwangerschaft mütterlich

"Eine vegane Ernährung wird für Säuglinge, Kinder und Jugendliche aufgrund der Gefahr eines Nährstoffmangels nicht empfohlen."

Spanien (AEP)

Icon grüner Kreis mit Positiv-Häkchen vegane Schwangerschaft mütterlich

"Eine vegetarische oder vegane Ernährung sollte, wie jede Ernährung, sorgfältig geplant werden; eine Vitamin-B12-Supplementation ist für alle Altersgruppen notwendig."

Quelle: Richter et al. (2020), s. (6), 68.

Die Punkte, in denen die Fachgesellschaften übereinstimmen, betreffen folgende Notwendigkeiten und Empfehlungen:

Grafik 2 Kapseln vegane Schwangerschaft mütterlich

Nahrungsergänzung und/oder angereicherte Lebensmittel für bestimme Nährstoffe

Grafik Samen und Nüsse vegane Schwangerschaft mütterlich

Kritische Nährstoffe sind B12, Eisen, Jod, Omega-3, Zink und Calcium

Grafik Pfanne über loderndem Feuer vegane Schwangerschaft mütterlich

Gutes Wissen über Nährstoffe & ihre Bioverfügbarkeit, Lebensmittelquellen und Nährstoff erhaltende Zubereitungsverfahren

Grafik Kopf mit Glühlampe darin vegane Schwangerschaft mütterlich

Bewusstsein über mögliche Konsequenzen einer Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen

Grafik Sprechblasen mit Fragezeichen und drei Gedankenpunkten vegane Schwangerschaft mütterlich

Empfehlung: angemessene medizinische Aufsicht & qualifizierte Ernährungsberatung

Im September 2020 wurde das Positionspapier der DGE erweitert und Studien einbezogen, die konkrete Ergebnisse zum Nährstoffstatus von sich vegan, vegetarisch und omnivor (Mischköstler) ernährenden Personen, insbesondere Müttern, lieferten.

Darin zeigte sich, dass es zwischen den Gruppen kaum signifikante Unterschiede gibt, was den B12- oder Omega-3-Gehalt der Muttermilch oder die ausreichende Energiezufuhr bei Kindern dieser drei Gruppen betrifft.

Vegan ernährte Kinder nehmen außerdem häufiger Lebensmittel mit einem höheren Ballaststoffgehalt und weniger Zucker zu sich – ein Aspekt, der ernährungsphysiologisch positiv zu bewerten ist, aber auch für ein größeres Ernährungsbewusstsein seitens der veganen Eltern spricht.

Auch der BMI (body mass index), der bei den veganen Müttern am niedrigsten, bei den omnivoren am höchsten war, ist ein Indiz hierfür.

Nicht zu missachten sind schließlich auch die Ergebnisse, die negative Auswirkungen einer Mischkost nahelegen:

(!)
ein hoher Anteil an gesättigten und trans-Fettsäuren in der Muttermilch, eine hohe Zufuhr an Gesamtprotein, Gesamtfett und zugesetztem Zucker bei omnivor ernährten Kindern. 

Vegane Schwangerschaft ≠ gesunde Schwangerschaft

So sehr die Ergebnisse der Studien bereits für sich sprechen, wird dennoch auch aus wissenschaftlicher Perspektive hier ein ganz wesentlicher Aspekt nicht berücksichtigt:

(!)
Nur ob eine Person tierische Produkte zu sich nimmt oder nicht, sagt noch nichts über ihre Gesundheit, ihren grundsätzlichen Nährstoffstatus aus oder darüber, wie Nährstoffe im Körper verfügbar sind.

Nicht zuletzt wurde auch in den Studien in vielen Fällen nur eine Momentaufnahme des Nährstoffstatus der beteiligten Personen gezeichnet, der sich bereits nach einer Woche abweichender Diät, in Krankheitsphasen usw. ändern kann.

Auch wenn die Wissenschaft und die Studien deutliche Belege dafür liefern, dass eine überwiegend pflanzliche Kost enorm positiven Einfluss auf unsere Stoffwechselvorgänge hat und eine ausgezeichnete Vorbeugung gegen entsprechende Krankheiten darstellt, sollten wir uns bewusst machen, dass vegan nicht gleichbedeutend mit gesund ist.

(!)
Eine Schwangere, die sich überwiegend von Pizza mit veganem Käse, von viel Brot mit Aufschnitt und Aufstrichen „in vegan“ und sonstigen Fertigprodukten ernährt, tut sich und ihrem Kind tatsächlich keinen Gefallen und büßt eher Nährstoffe ein.

Warum? Weil diese gebraucht werden, um die in den Fertigprodukten enthaltenen Zusatzstoffe, den Salz- und Zuckerüberschuss zu verstoffwechseln, zu binden und aus dem Körper auszuscheiden.

Dies betonen auch die Studien und Fachgesellschaften: Wirklich gesund und wertvoll ist eine vegane und vegetarische Ernährung nur, wenn sie tatsächlich „vollwertig“ ist, das heißt, eine große Menge frischer, roher Lebensmittel umfasst und solche Produkte, die ein gesundes Darmmilieu und ein ausgeglichenes Säure-Basen-Gleichgewicht garantieren. 

Zusammenfassung: Vegane Schwangerschaft - gesund oder schädlich?

Icon grüner Kreis mit Positiv-Häkchen vegane Schwangerschaft mütterlich

Grundsätzlich verspricht eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit einem umfangreichen Anteil an frischen, rohen und unbelasteten Lebensmitteln eine sehr hohe Nährstoffdichte bei gleichzeitig wenigen Kalorien. Sie belastet den Stoffwechsel weniger und gibt uns langanhaltender Energie. Das sind enorm wichtige Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft.

Icon-Frau-davor-Herz-mit-Herzschlaglinie-vegane Schwangerschaft-mütterlich

Frauen, die sich ausgewogen vegan oder vegetarisch, mit einem geringen oder einem Null-Anteil an tierischen Eiweißen ernähren und einen großen Anteil an Rohkost in ihre täglichen Mahlzeiten integrieren, profitieren darüber hinaus gegenüber Mischköstlerinnen und denjenigen, die viele Fertigprodukte essen, von einer viel besseren Versorgung mit bestimmten Nährstoffen. Sie nehmen außerdem weniger gesättigte Fettsäuren und Cholesterol zu sich.

Icon Achtung Kreis mit Ausrufezeichen vegane SchwangerschaftIcon Achtung Kreis mit Ausrufezeichen vegane Schwangerschaft

Dennoch ist es für vegane Schwangere (und Stillende) sinnvoll, bestimmte Nährstoffe im Blick zu behalten, die sich als kritisch erweisen könnten.

Da das Negativbild sich vegan ernährender Mütter meist auch diese brisante Nährstoffversorgung(v.a. B12-Mangel, Proteine usw.) im Blick hat, wird der nächste Blog aus der Reihe "Vegane Schwangerschaft" genau unter die Lupe nehmen, welche Nährstoffe hier wichtig , welche Lebensmittel besonders reich daran sind und wie ihre Aufnahme gesteigert werden kann.

Bis dahin, kommt gesund durch die Woche!

Du lebst vegan oder kennst vegan lebende Frauen & Mütter, Schwangere oder Stillende? 

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(1)  Pawlak et al. (2018): Vitamin B-12 content in breast milk of vegan, vegetarian, and nonvegetarian lactating women in the United States. Am J Clin Nutr. 108: 525-531. (2) Perrin M. T. et al. (2019): A cross-sectional study of fatty acids and brain-derived neurotrophic factor (BDNF) in human milk from lactating women following vegan, vegetarian and omnivore diets. Eur J Nutr. 6: 2401-2410. (3) Weder, S. et al. (2019): Energy, macronutrient intake, and anthropometrics of vegetarian, vegan, and omnivorous children (1-3 years) in Germany (VeChi Diet Study). Nutrients. 11: 832. (4) Schüppbach, R. u.a. (2015): Micronutrient status and intake in omnivores, vegetarians and vegans in Switzerland. European Journal of Nutrition. (5) Richter et al. (2016): Vegane Ernährung. Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Abrufbar hier. (6) Richter et al. (2020): Ergänzung der Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. zur veganen Ernährung hinsichtlich Bevölkerungsgruppen mit besonderem Anspruch an die Nährstoffversorgung. Abrufbar hier.

3 Kommentare

  • ClaudiaOct 20, 2021

    Ich lebe seit mehreren Jahren fleischfrei und versuche mich immer wieder vegan zu ernähren. Der Artikel macht mir Mut, dies weiter auszubauen. Danke.

  • LinaOct 13, 2021

    Franzose = Käse 😂

  • MaikeSep 28, 2021

    Vielen Dank für die prima Zusammenfassung! Das hilft mir sehr beim Gespräch mit der Gynäkologin.

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